SEPTEMBER 2017

   

Ich hab's schon wieder getan

 

Liebe Leserin, lieber Leser!


Ich beknirsche mich öffentlich, streue Asche auf mein Haupt und zerreiße mein Oberhemd ...
Ich habe mich schon wieder politisch geäußert. Wollte ich doch das Sackblatt als Hort der Gartenzwerg-Satire, der unpolitisch-heiteren Schnockes an meinem zottigen Vaterbusen nähren. Die Feder ist willig, aber der Geist ist es nicht. Der starken Magensaft-Konzentration sei es geklagt, dass ich rückfällig wurde. Als des Lesens kundiger durchforste ich zusammen mit dem ersten Kaffee des Tages die vielfältigen Postillen des digitalen Angebots. Dass wir in unserer alpinen Idylle selbst ein wenig der Gartenlaube huldigen, fällt erst beim Konsum nicht-österreichischer Medien auf. Seien wir ehrlich, unsere Presselandschaft hält sich sauber, keine alternativen Fakten, da kann man uns nichts vorwerfen – da bringen wir lieber gar keine.
Manche Verwindungen der Weltpolitik und Weltgesellschaft erfährt man dann nur in ausländischen Medien. Und siehe da, auch die haben Informationen über unser kleines Österreich, die sie gern mit ihren Lesern teilen. Hatte der Stadtschreiber früher eine gewisse Monopolstellung, so ist es heute jedem Alter und jeder Sprachkompetenz unbenommen, in einer epidemischen Flut von „Blogs“ sich innerhalb seines Weltbildes zu äußern.
„Ay, there 's the rub“, lässt Shakespeare seinen Dänenprinzen im berühmten Monolog sagen. „Da liegt der Hund begraben“, würden wir heute übersetzen. In diesen tausendfach skizzierten Weltbildern sind natürlich wieder etliche alternative Fakten enthalten. Natürlich wäre es klüger, die Steigerung der Magensaftproduktion nur dem Kaffee zu überlassen, und einfach zu lesen aufhören – aber wir haben Wahlkampf!
Für all jene, die sich mental und physisch in die Schlacht um die Umfragewerte ihrer Favoriten stürzen, wiederhole ich mantraartig mein Lieblingszitat von Kurt Tucholsky: „Wenn Wahlen etwas bewirken könnten, wären sie längst verboten“.
Die Wahlprogramme, und Plakate, allesamt auf chlorgebleichtem Papier und in geschönter Photoshop-Manier aufbereitet, taugen nach dem 15. Oktober nicht einmal mehr zum Verbrennen, und die „Inhalte“ sind am 16. Oktober (nach der Stimmenauszählung) im Container der politischen Konjunktive zu entsorgen.
Kurz wird nicht Kanzler, Kern wird nicht Kanzler bleiben und Strache wird wieder nicht Kanzler werden.
Und was bleibt? „Mach ma’s noch amal? Jetzt aber wirkli, gell? Nur kane radikalen Veränderungen, mia packen des scho’...“
Shakespeares Dänenprinz liebäugelt mit Selbstmord.
Tun Sie’s nicht, lesen Sie lieber unser neues Heft!

Christian Faltl - Herausgeber






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