Heft 3/2017

Erscheinungstermin: 15. September 2017


 

 

Ich hab's schon wieder getan

Ich beknirsche mich öffentlich, streue Asche auf mein Haupt und zerreiße mein Oberhemd ...
Ich habe mich schon wieder politisch geäußert. Wollte ich doch das Sackblatt als Hort der Gartenzwerg-Satire, der unpolitisch-heiteren Schnockes an meinem zottigen Vaterbusen nähren. Die Feder ist willig, aber der Geist ist es nicht. Der starken Magensaft-Konzentration sei es geklagt, dass ich rückfällig wurde. Als des Lesens kundiger durchforste ich zusammen mit dem ersten Kaffee des Tages die vielfältigen Postillen des digitalen Angebots. Dass wir in unserer alpinen Idylle selbst ein wenig der Gartenlaube huldigen, fällt erst beim Konsum nicht-österreichischer Medien auf. Seien wir ehrlich, unsere Presselandschaft hält sich sauber, keine alternativen Fakten, da kann man uns nichts vorwerfen – da bringen wir lieber gar keine.

Abenteuer Skandinavien

Einmal im Jahr kribbelt es mich beim Thema Urlaub. Es zieht mich in die Ferne, um Neues zu sehen. Skandinavien hat mich immer gereizt, vor allem das Nordkap mit seiner Mitternachtssonne. Es wurde Zeit, sie zu sehen, man wird nicht jünger. Meine Überzeugung war, wenn ich es jetzt nicht schaffe sie zu sehen, dann nie mehr. Also buchte ich eine Busreise bereits zu Jahresbeginn, auch um die skandinavische Landschaft zu sehen.
Am 5. Juli 2017 begaben wir uns dann endlich unter die Fittiche des Nordlandliebhabers Franz Buck. Er chauffierte ein Häufchen verwegener Urlauber, überwiegend Radfahrer, die sich regelmäßig ihre Hinterteile geschmeidig strampeln wollten, nach Norden. Meine Frau und ich gehörten nicht dazu, wir beäugten unsere Sportler zunächst skeptisch. In Frankreich schwitzten gedopte Radler bei der Tour de France bergauf und bergab, Franz Bucks verwegenes Team im Norden, mit Trikots mit Firmen-Logo gekleidet, damit alle wussten, mit wem man es zu tun hatte. Werbung und sportliche Verbissenheit gaben sich die Hand.


Das Faktum MANN

Nach meiner Scheidung hatte ich beschlossen, künftig den männlichen Teil der Bevölkerung zu ignorieren und mich auf ganz andere, schönere und auch erfolgversprechende Dinge zu konzentrieren: Auf die Kunst zum Beispiel.
Leider habe ich da offenbar Michelangelo, Donatello und Genossen völlig unterschätzt. Ihre Darstellungen des Männlichen springen ei­nem schon ganz gewaltig ins Auge, denn besonders in den großen Museen Italiens, Griechenlands und Frankreichs begegnet man überall mus­kelstrotzenden, stolz dreinblickenden, überdimensionalen männlichen Statuen. Sie zu ignorieren fällt daher schwer. Alles an ihnen ist ausgeprägt und betont… nur die prägnantesten Stellen, auf die man halt als Frau auch hinblickt, sind immer, und wenn ich „immer“ schreibe, dann meine ich es auch so, klein geraten. Als ob die Schöpfer dieser Statuen sie verschämt verstecken wollten.
Obwohl, Größe liegt nicht immer auf der Hand, sie offenbart sich oft erst nach einer Weile. Ich bin aber trotzdem zu der Ansicht gekommen, dass das beabsichtigt war. Denn gerade solche offensichtlichen Untertreibungen reizen eben doch, sie genauer unter die Lupe zu nehmen! Und ich denke nicht, dass sich da die Betrachter früher von den heutigen sehr unterscheiden.


Der Wille kann Berge versetzen

Am ersten Sonntag im August endete in den Niederlanden die mittlerweile 12. Europameisterschaft der Frauen mit dem Finalsieg der Vertretung aus dem Gastgeberland. Dies alleine wäre noch nicht der Anlass gewesen, sich mit diesem zweifellos sehr friedlich und freundschaftlich verlaufenen Fußballturnier auseinanderzusetzen. Bei der jüngsten Ausgabe dieses Turniers nahm nämlich erstmals die Auswahl meiner Heimat (dem Land der Schifahrer und Schispringer) teil. Dabeisein ist wohl schon alles, so tönte es meist im Vorfeld dieser Veranstaltung, die unser nördlicher Nachbar immerhin bereits achtmal gewinnen konnte. Und auch für das Turnier im Land der Tulpen wurde die deutsche Auswahl zumindest als sogenannter Mitfavorit gehandelt. Unseren wackeren Damen wurde hingegen kaum etwas greifbares zugetraut.
Obwohl sich die Anzahl der jungen Damen und Mädchen, die dem runden Leder nachjagen, in der jüngeren Vergangenheit auch hierzulande deutlich erhöht hat, konnte man realistisch gesehen wenig er­warten.



Traktat über situationsabhängige psychische Störungen
oder: Ich fürchte mich!

Freunde, das Leben ist ja von Geburt an lebensgefährlich. Allerdings machen die Menschen rund um uns dieses Leben auch nicht einfacher. Die emotional-digitale Reizüberflutung nimmt überhand. Damit soll mein Leben einfacher und bequemer werden. Das Gegenteil ist der Fall, ich fühle mich ständig überfordert von der unausgesprochenen Verpflichtung jede Phase meines Lebens mit meinen wildfremden Mitmenschen zu teilen. Soziales Miteinander ist ja gut und schön, aber dass ich jetzt der staunenden Mitwelt etwa die nervenzerfetzende Nach­richt über meine morgendliche Darmtätigkeit oder den so­eben durch die Scheibe der Straßenbahn fallenden Sonnenstrahl am Weg ins Büro überbringen soll und kann, das macht mich mindestens nervös.
Wenn ich auch diese pseudo-sozialen Netzwerke noch kraft eigener Entscheidung verweigern kann, wird da eine Bedrohung immer akuter: „Apps“. Auf dem Computerbildschirm, auf dem Mobiltelefon (das so „smart“ ist), ja selbst an öffentlichen Plätzen wie U-Bahnstationen, bedroht mich ungebeten eine Flut von „Apps“. Und so bei manchem haben sich diese angeblichen Helfer völlig unfreiwillig eingenistet. Ein unvorsichtiger Druck auf einen Knopf oder eine Nachricht, und schon ist man mit einer „App“ infiziert.

Die gefälschte Venus

Das nackte Weib hat immer schon die Künstler aller Epochen fasziniert.Nun hatten im Vorjahr die französischen Behörden ein Gemälde von Lucas Cranach, die Venus darstellend, be­schlagnahmt, weil irgendein anonymer Anrufer dieses Ge­mälde glatt als Fälschung be­zeichnet hatte.
So einfach geht das!Das Gemälde ist seit Kurzem im Besitze des Fürsten von Liechtenstein und sitzt, bzw. hängt nun im Louvre fest.
Da es immer wieder Gemälde oder Werke von namhaften Künstlern gibt, die plötzlich auftauchen, von denen keiner vorher was gehört hat, liegt schon der Verdacht nahe, dass diese in stillen Kämmerchen ganz neu geschaffen wurden. Hauptsache die Farbe ist ge­trocknet und einige Gutachter lassen sich täuschen. Manchmal kommt es da auch auf die Höhe der Summe an, die den Besitzer wechselt!Die Kunstszene ist eben auch kein Mädchenpensionat.
Ehrlich, was müssen das für Künstler sein, dass sie die Kunstwelt so täuschen können. Irgendwie schade, das nur im stillen Kämmerchen zu tun. Muss ja frustrierend sein!
Am meisten verdienen dabei aber die Zwischenhändler.Besagte Venus wurde um 510.000 Dollar von einem Händ­ler namens Ruffini ge­kauft, der sie dann um sage und schreibe 3,2 Millionen an die Kunsthandlung Colnaghi (in London) weiterverkaufte. Von dort gelangte sie für 7 Millionen (!) in die Sammlung des Fürsten Liechtenstein.

Der Lückenbüßer: Der Lampengeist

Ein Mann findet eine tolle alte Lampe, als er am Strand spazieren geht. Als fanatischer Kunstsammler aus längst vergessenen Ta­gen ist er über seinen Fund natürlich begeistert und beginnt sogleich die Lampe sauber zu polieren. Als er so vor sich hin poliert, kommt plötzlich ein Geist aus der Lampe heraus. Dieser spricht: „Hör zu, ich bin der Geist der Lampe. Ich hasse das. Da es jetzt schon des dritte Mal in dem Monat ist, dass ich bei meinem Mittagsschlaf ge­stört werde, hast du nur einen Wunsch frei.“


Und es begab sich ...

In jener Zeit, als wir alle noch voll jugendlichen Übermutes, mit technisch schlecht bestellten Fahrzeugen, viel zu schnell unterwegs waren, als wir für den absolut männlichen, blauen Dunst, die 100 Meter zur Trafik in unseren röhrenden Kisten zurücklegen mussten und uns als die Konquistadoren der Landstraßen sahen, da war ab und an eine Begegnung mit unseren Freunden und Helfern wortwörtlich unausweichlich.
Der Mittelpunkt meiner beruflichen Interessen lag damals im Südwesten von Wien, in einer Großdruckerei, und der Mittelpunkt meiner privaten Interessen im Nordosten von Wien, am Rande der Lobau. Dazwischen lagen 25 Kilometer satt auf ausgebauten Autostraßen. Nicht weiter verwunderlich, dass ich die auf mehreren Erfahrungswerten beruhende durchschnittliche Fahrzeit von mindestens einer halben Stunde von Tag zu Tag mehr zu unterbieten begann. Selbiges Tun führte von Zeit zu Zeit zu unfreiwilligen Spenden an Staat und Autobahnunterhalter.


Zu guter Letzt!
Viele Leser wollen Märchen

Das Schlagwort „Lügenpresse“ hat in gewissen Kreisen derzeit Saison. Mit diesem Schimpfwort meinen jene Leute, die es gerne im Mund führen, dass wir Schreiberlinge mit der Wahrheit nichts im Sinn hätten. Daraus ließe sich folgern, dass die Leser Idioten sind, weil sie den Lügen Glauben schenken. Ich jedoch denke, dass „Lügenpresse“-Schreier gar nicht lesen, sondern bloß etwas nachplappern, was ihnen wiederum von gewissen Kreisen vorgesagt wird. Denn es soll ja tatsächlich Zeitgenossen geben, die sich nur nach ihren selbst gebastelten Wahrheiten richten und anderen Meinungen gegenüber allergisch reagieren. Vielleicht wollen diese Leute sich aber nur der Realität, wie sie in der Presse auf verschiedene Weise berichtet und kommentiert wird, verweigern. Für sie hätte ich einen guten Rat parat – sie sollten tatsächlich nur gut erfundene Geschichten lesen. Diese werden in der vollen Absicht geschrieben, um von den ja mitunter grauslichen Zuständen auf unserem Erdball abzulenken.




 

 

      Die nächste Ausgabe erscheint  

 

     im DEZEMBER 2017

 


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