Editorial

Mir san mir!

Liebe Leserin, lieber Leser! „Alle Menschen san ma zwieder, i möchts in die Goschen haun“, damit (be)sang der leider zu früh vergessene Kurt Sowinetz eine gelegentlich verständliche Ge­mütsaufwallung. An ihn musste ich dieser Tage immer öfter denken. Die heiligen Schwüre einer solidarischen Europäischen Ge­meinschaft wurden noch nie so oft beschworen – um an mäßiger Anteilnahme zu verhallen. Das „Friedensprojekt Europa“ ist in die Jahre gekommen. Und die Rezepte dagegen sind auch schon über 2000 Jahre alt. Aber Angela Merkel, die heimliche Kanzlerin Europas, die sich Brüssel als Hofstaat hält, hat vor knapp zwei Wochen in eben jenem Brüsseler Parlament eine (quasi) Abschiedsrede gehalten. Mit einem schüchternen Anflug von Ambition vermeinte die „Muddi“, dass Europa eine echte gemeinsame Armee benötige, um Europa unabhängiger zu machen und (jetzt kommts!) damit die Völker Europas nie wieder gegeneinander Krieg führen. Dieses Rezept hat (jedoch emotionaler) schon Marcus Tullius Cicero im Jänner 43 v. Chr.  vor dem römischen Senat in seiner berühmten „Philippica“ verlautbart (zum Leidwesen aller humanistischen Gymnasiasten): „Si vis pacem para bellum!“ (Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg!). Am gleichen Tag haben die Nachfahren Ciceros, die Italiener, den Brüsseler Eurokraten (oder besser „Eurokraken“) den Schmutzfinger gezeigt. Weil die jungen Römer sich nicht von Brüssel vorschreiben lassen wollen, wie viel Geld sie ausgeben dürfen. Wer hoffnungsvollen Nachwuchs großgezogen hat, kennt das. Die ausufernden Wünsche werden mit Taschengeldkürzungen abgekühlt. Dann folgt der Streit, und dann? Ja, dann zieht der Nachwuchs aus und wünscht seine Erzeuger zur Hölle. Ganz so schön wie zuhause ist die neue Unterkunft nicht, aber die Luft riecht nicht mehr nach Papas wirtschaftlichen Belehrungen. Und warum sollen das die Italiener heute anders machen? Die warten nur noch, ob das „schwarze Loch“ nach dem Austritt Englands aus dem EU-Kinderkarussell wirklich kommt. Und dann werden sie auch die Tür von außen zuknallen. Wenn sich der Staub der morschen Türstöcke in Brüssels Amtsstuben gelegt hat, so denke ich, in der Sekunde der Betretenheit und Andacht, – man soll über Tote nichts Schlechtes sagen – österreichisch. Wenn dann allmählich einer nach dem anderen, je nach Temperament, schleichend oder mit Getöse vom Leichnam EU Abschied nimmt, dann wird die Europäische Armee immer billiger. Und unser Bundesheer wird dann endlich wieder, was es immer war, unsere eigene Friedensarmee! Aber noch ist nicht aller Nächte Morgen ... Egal, in unserer kleinen satirischen Spielwiese darf wieder geblättert werden – sogar gelesen! Viel Spaß damit, solange wir den noch haben. Christian Faltl - Herausgeber
Startseite Das 1. Jahr Editorial Neues Heft Angebote Buchtipps Kontakt
Das ironisch satirische Magazin aus Österreich!
mehr Infos
NOVEMBER  2018