Editorial

Was ich noch zu sagen hätte ...

Die Welt gerät aus den Fugen – speziell wenn wir den Schlagzeilen unserer Massenmedien glauben schenken wollen!? Das Geunke der „asozialen Medien“ tut ein Übriges. Ohnmacht, Gewalt, Tod und Vernichtung, also die Zutaten für einen durchschnittlichen Fernsehabend. Das können wir jeden Tag erleben – wir tun’s ja auch, aber Gott sei Dank nur von fern, die Ukraine ist doch noch ein Stückchen entfernt. Unser Lieblingsvirus wird nur mit Mühe in den Schlagzeilen erhalten, dabei grassiert er im Hintergrund munter weiter. Die wirklichen Aufreger sind die Benzinpreise und die Energiepreise. Die Inflation ist um 10 Prozent gestiegen, Österreich nagt am Hungertuch – kein Cola, keine Chips, kein Guacamole-Dip und kein Pulled Pork und kein Aperol, wie soll der sinnbefreite Bobo da überleben? Nur mit Muskeltraining und Protein? Naja, Protektion klingt da schon besser. Ist ja auch täglich geübte Praxis – nicht nur in der Politik. Unseren Weg zum künftigen Lebensziel hat ein zehnjähriger Stöpsel bei einer Straßenbefragung klar umrissen: Auf die Frage was er den einmal „werden“ will, antwortet er „Youtuber“ ... Alles klar, frei nach Rilke: Wer jetzt keine Rente hat, der kriegt auch keine mehr. Früher war alt sein eine Last, heute bin ich heilfroh, schon alt zu sein. Der Gründe gibt es viele. Die epochale Rettung des Welt-Klimas werde ich nicht mehr erleben (will ich auch nicht), meine kleine Pension ist erst ganz spät dran bei den Kürzungen und – last but not least – wir haben in der Nachkriegszeit eine wundervolle Kindheit gehabt, mit Baumhäusern, Steinschleudern und Erdäpfel braten in der Au, weil wir nicht wussten, dass man alle Sekunden auf eine blinkende Briefmarke starren muss, um echt grenzenlose „Freiheit“ mit Freunden zu erleben. Dass man in diesen Tagen vom Leben etwas versäumt, wie unsere jungen depressiven Weltbürger ihren Therapeuten klagen, liegt nicht an der Welt (sie war immer schon so), sondern daran was man sich aus dieser Welt „holt“ – das muss nicht zwingend pekuniär sein ... In hohlen Birnen hat der Lebensüberdruss mehr Platz. Nicht vergessen, vorher noch ein „Selfie“ machen, teile alles mit deinen Freunden, da freut sich der Zuckerberg und die Internetanbieter.   Ja, liebe Leser, drum hab ich sonst nicht mehr viel zu sagen. Blättern Sie, als des Lesens Kundiger, vergnüglich in unserem Heft – als Podcast wird es nicht erscheinen. Feiern Sie das politisch korrekte „Jahresendfest“ und dann – auf ein spannendes Frühjahr!   Christian Faltl - Herausgeber
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OKTOBER 2022
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