Editorial

Heiter bis wolkig

Liebe Leserin, lieber Leser! Jeder Blick in die Tagesmedien bringt meinen Kreislauf immer in Schwung. Italien ringt um eine neue Regierung: Erfolg zweifelhaft. Tags darauf, der Jubelschrei, Italien hat eine Regierung! Die Spaßmacher mit den Heimattreuen, da ist die Frage, wer wie rasch als letzter lacht. Griechenland verkündete vor ein paar Wochen, dass es keine Gelder aus der EU mehr wolle. Motto: Danke, wir machen uns unseren Bankrott jetzt selber, das können wir genauso gut wie die EU. So, am 20. Mai verkündet der EU-Wirtschaftskommissar „eine gute Neuigkeit“: Griechenland sucht doch wieder das Euter der EU, und man habe sich konfliktbefreit auf das Prozedere der nächsten Geldinfusion nach Hellas geeinigt. Es ist wie der Wetterbericht zu Pfingsten. Sind Gewitter und Regen angesagt, dann scheint die Sonne, wird die gastronomiefreundliche Vorhersage mit Sonnenschein aus dem Archiv geholt, dann bläst am nächsten Tag der Wind und ein leiser Schauer zieht durchs Land. Unser Leben ist ständig heiter bis wolkig. Trifft nun Trump den nordkoreanischen schwarzen Bovist oder nicht? Erst drohen, dann einlenken und vielleicht doch absagen? Brauchen die USA jetzt schärfere Waffengesetze? Nein, der letzte unpädagogische Pulverdampf in einer Schule war sicher ein Einzelfall … Bumms, wieder knallts in der Schule, ein paar Tote. Also, wie jetzt? Doch schärfere Waffengesetze? Bei uns im Land ist es nicht anders. Die zweite Regierungspartei hat geschworen, mit ihr wird es CETA nicht geben. Was ist Mitte Mai passiert? Die CETA-Beschlüsse sind durchgewunken worden, und keiner war dabei. Jeder hat sich auf ein Koalitionsabkommen berufen oder den Zwang des Faktischen, weil ja schon die Vorgängerregierung … Also, wer hat den Mist denn dann eigentlich haben wollen? Wir (die „souveränen“ Wähler) waren es sicher nicht! Das vollmundige Verbot von Auftritten türkischer Politiker in Europa zwecks Wahlkampf hallt noch in meinen Ohren. Österreich ist mit dabei. Jetzt stelle ich mir aber vor, was geschieht ein paar Messermorde später oder ein paar Brandanschläge oder Entführungen später? Darf dann Brüll-Erdo, der Sultan vom Bosporus, doch live zu seinen Türken in Ösi-Land sprechen? Ja, oder ja? Ich sehe das alles sehr flapsig, finden Sie. Das stimmt schon, aber nur deshalb weil ich oder Sie die Zustände in Europa ohnehin nicht ändern können – genauso wenig wie das Wetter. Vielleicht kommt mehr Heiterkeit ins Gemüt mit unserem neuen Heft! Christian Faltl - Herausgeber
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MAI  2018