NOVEMBER 2017
Neues Heft
Heiter bis wolkig Jeder Blick in die Tagesmedien bringt meinen Kreislauf immer in Schwung. Italien ringt um eine neue Regierung: Erfolg zweifelhaft. Tags darauf, der Jubelschrei, Italien hat eine Regierung! Die Spaßmacher mit den Heimattreuen, da ist die Frage, wer wie rasch als letzter lacht. Griechenland verkündete vor ein paar Wochen, dass es keine Gelder aus der EU mehr wolle. Motto: Danke, wir machen uns unseren Bankrott jetzt selber, das können wir genauso gut wie die EU. So, am 20. Mai verkündet der EU-Wirtschaftskommissar „eine gute Neuigkeit“: Griechenland sucht doch wieder das Euter der EU, und man habe sich konfliktbefreit auf das Prozedere der nächsten Geldinfusion nach Hellas geeinigt. Es ist wie der Wetterbericht zu Pfingsten. Belohnung: Trümmerbruch Reiner, sag mal, wie siehst du denn aus? Richtig furchtbar! Ist dir eine Straße ins Gesicht geschnappt? Mit dem Riesenpflaster auf der Nase könnte man glauben, du hast ein Loch in den Asphalt geschlagen!“ „Ich war nicht betrunken. Das war eine Faust, der ich das zu verdanken habe.“ „Eine Schlägerei?“ „Nein, ein einzelner Schlag. Ich sage dir, das war ein Hammer, den ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde!“ „Ist das Nasenbein gebrochen?“ „Und wie, Hermann! Totaler Trümmerbruch! Die Ärzte sagen, dass sie nicht wissen, ob sie die Nase wieder einigermaßen hinbekommen. Auf alle Fälle ist noch eine Operation fällig, wenn die Schwellung abgeklungen ist.“ „Das muss ein Boxer gewesen sein, wenn er deine Nase mit einem Schlag so entstellt hat.“ „Von wegen! Das war eine Frau.“ „Nicht doch! Du machst Witze!“ „Im Ernst! Sie hatte so einen Schlag am Leib, daran denkst du dein ganzes Leben lang! Blicke, die Feuer entfachen Wir Frauen merken es sofort, wenn uns dieser Blick trifft, wenn er durch und durch geht, sich den direkten Weg durch unsere Pupille ins Herz sucht, dort landet und eine Rakete explodiert! Das darf Frau aber nicht hilflos machen! Luft holen und einen Augenblick die Augen schließen, ist da ein guter Rat. Wenn Frau sie wieder öffnet, muss der Blick ebenso pfeilschnell retour gehen und das Terrain erkunden! Denn es ist wichtig, versuchen zu erkunden, ob dieser Blitz nur ein Strohfeuer entfachen soll, oder doch eine andauernde Glut auslösen könnte. Den wenigsten Frauen ist es gegeben, das rechtzeitig aus­zuloten, zu erkennen. Doch manche fühlen das sofort! Es ist die entstandene Wärme, das Kribbeln dort im Herzen, wo man sich nicht kratzen kann, die das ankündigt. Lesen! Noch zeitgemäß? Wir alle hören und lesen es seit vielen Jahren! Der Verkauf von gedruckten Bü­chern und manch anderer Druck­erzeugnisse wie Zeitungen oder Magazine aller Art soll sich permanent rückläufig entwickeln. Nun diese durchaus betrübliche Tatsache ist auch mir als mittlerweile schon etwas älterem und angegrauten Sack, nicht verborgen geblieben. So manches ehemaliges Druckerzeugnis kann bzw. muss man nunmehr auf elektronischem Wege begutachten bzw. lesen. Aber immerhin, da wird ja  doch gelesen. Also besteht  schon noch Hoffnung.  Warum ist es denn so wichtig, dass gelesen wird? Nun, das Lesen befriedigt schon einmal die Neugier. Wissen ist Macht. Hineingeboren in das Jahr, in dem unsere Heimat wieder die Freiheit erlangte, gab es für mich lediglich die Schule, selbstredend Bücher und Zeitungen, um lesen zu können. Als Grundstein meiner bisherigen „Lesekarriere“ dürften wohl die sogenannten „Gute-Nacht- Geschichten“ dienen. Obwohl damals so mancher „Vorleser“ dabei immer wieder selbst einnickte, durfte ich mich glücklich schätzen, auf diesem Wege die Freuden des Lesens zu erfahren.  Kaum selbst des Lesens mächtig, türmten sich unter dem Weihnachtsbaum die Bücher, die dann wahrlich im Rekordtempo  verschlungen (nicht verspeist) wurden. Sowohl in meinem Elternhaus sowie bei sämtlichen Onkeln und Tanten, deren ich ja jede Menge hatte, war es bekannt, dass dieser kleine wissbegierige Sack am besten mit Büchern zufriedenzustellen war. Traktat über die mögliche Mutation der sozialen „Konszienz“ oder: Kajetans Obsession! Freunde, der nachfolgende Text ist tatächlich als Satire gedacht. Falls jedoch der eine Leser oder die andere Leserin die Satire dahinter nicht zu erkennen vermag, will ich mich in aller Form für die rund zehn Minuten ihres vergeblichen Lesens entschuldigen. Es war ein gewöhnlicher Vormittag im Dorf. Zwei ältere Damen begegneten einander am Dorfplatz – offenbar die eine auf dem Weg zur Greißlerin, die andere bereits mit voller Einkaufstasche von dort kommend. Beide sahen wortlos zu der Bank unter der Linde hinüber, auf der wehmütig ein grauhaariger alter Mann saß, und setzten kopfschüttelnd ihre geschäftigen Wege fort. Der alte Mann auf der Bank war Kajetan Jexenflicker, der pensionierte Briefträger des Dorfes, beliebt und geachtet von jedermann. Aufgrund seiner vorbildlichen und untadeligen Berufsausübung bei Wind und Wetter – nie war ihm auch nur ein einziges zuzustellendes Schriftstück abhandengekommen – wurde Kajetan Jexenflicker nach 35 Jahren im Postdienst zum Postoffizial befördert. Kajetan wuchs – wie schon seine Groß- und Urgroßeltern – im Dorf auf und durchlebte seine Jahre erst als Ministrant und später in der Jungschar, dann als Mitglied des Kirchenchores und zuletzt als Pfarrgemeinderat. Viele Mitbürger erinnern sich noch heute an die schöne Tenorstimme Kajetans, wenn er bei den Maiandachten das „Ave Maria“ als Solo zur Orgel sang. Esoterik, die geheime Lehre Esoterik ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist. Mitten unter uns leben also Menschen, die sich der Esoterik verschrieben haben! Sogar unter Autohändlern, welche offenbar so einen geheimen Draht zum „Bewusstsein“ einer Ressortleiterin im Wiener Rathaus haben! Ob die Beiden so am Abend heimlich um den Bauplan für das Krankenhaus Nord in Wien einige Kerzen aufstellen, die einen Schutzring um das entstehende Gebäude legen sollen, damit alle unnatürlichen Energieflüsse von dem Gebäude und den Menschen darin, ferngehalten werden? Das Leistungsprotokoll lautet wie folgt:  "Man wird sämtliche natürliche, am Grundstück vorhandenen Energieflüsse wiederherstellen und reinigen", "Alle nicht natürlichen Energieflüsse neutralisieren" oder  "Eine Anhebung der Schwingungen auf das höchstmögliche Niveau veranlassen". Das umfasste das Portfolio des selbsternannten „Bewusstseinsforschers“, wie die Kronenzeitung aus dem "Leistungsprotokoll" zitierte. Seite 5: Vermutungen über Lektoren ... Die Frage beschäftigt mich seit Jahren. Man versucht es ja immer wieder, zwar mit zunehmender Verdrossenheit, aber nach ausreichend abgeflauter Enttäuschung eben doch immer wieder. Auch deshalb, weil man nicht weiß, warum keine Antwort kommt, denn ohnehin steht zwischen den höflichen Zeilen an die unbekannten Machthaber der Verlage immer die versteckte Bitte: Entschuldigen Sie mein unaufgefordertes Einsenden des Textes ... Woraus sich die spannende Frage ableitet: Welchen Grad der Wahrnehmung erreichen die eingesandten Seiten überhaupt? Da bin ich jetzt nur auf Vermutungen an­gewiesen; als mögliche Stufen bieten sich an:  Der A4 große Umschlag, unschwer als Manuskripteinsendung zu erkennen, landet nach Prüfung des Absenders ungeöffnet im Papierkorb. Die Die Feuerwehr war voll im Einsatz In dem Moment, als der Kugelschreiber der schönen Dorfkrug-Wirtin Maria gleich einer Helikopterdrohne über meinem Bierdeckel innehielt, ging die Sirene los. Hielt die Maria nun inne beim Ankreiden, weil die Sirene losheulte, hatte ich meine Blicke wieder zu ungezügelt wandern lassen, oder gab es einen anderen Grund? Ich weiß es nicht. Denn ich hatte an diesem Nachmittag schon einige Biere intus, mit je ein bis zwei Klaren; meine Fähigkeiten, möglicherweise vorhandene kausale Zusam­menhänge zu er­kennen, waren zu diesem Zeitpunkt möglicherweise et­was eingeschränkt. Alle rannten hinaus, um zu sehen, was los sei. Plötzlich kommt einer die Dorfstraße heraufgehumpelt und bleibt atemlos vor mir stehen. Es war unser Dorftrottel, der Franz, der immer alles ein wenig später mitbekommt, weil er etwas langsamer denkt, schwer hört und ziemlich schlecht sieht. Er war puterrot und schweißnass. „Mensch“, schreit er, „am Dorfende, die Scheune vom Erwin, die brennt! Du bist doch bei der Feuerwehr!“ Da fiel es mir ein: Ich hatte Bereitschaft! Verdammt. Musste es gerade jetzt anfangen zu brennen? Zu guter Letzt! Haben Sie schon gewählt? Neue Wer lang unterwegs ist, den plagt auch hin und wieder der Hunger. Dann sind Gasthäuser, Bistros oder Restaurants gefragt. Otto, in einer Kleinstadt auf der Suche nach einer derartigen Stätte, findet eine und sieht mit knurrendem Magen das Pappeschild „Heute Ruhetag!“ Nach längerem Fußmarsch steht er vorm „Goldenen Ochsen“, überlegt nicht lange, tritt ein und nimmt an einem kleinen Tisch Platz. Nachdem ihm die Speisekarte vorgelegt worden ist, denkt Otto über den Vorteil einer Fastenkur nach. Nicht unbedingt der Preise der angepriesenen Speisen wegen, da erschüttert ihn so schnell nichts mehr. Nein, der Speisekarte wegen. Er liebt es, auf die verschmutzten Plastikhüllen zu greifen, unter denen sich die auf billigem Papier kopierten Angebote mitunter schwer entziffern lassen. Als dann die Kellnerin die forsch formulierte Frage „Haben Sie schon gewählt?“ stellt, antwortet Otto ganz ruhig, fast nebenbei: „Sagen Sie, wird in der Küche so gekocht, wie die Speisekarte ausschaut?“ Und in die entstehende Pause fügt er den Nachsatz: „Ich meine, so fettig wie die Karte ist?“ Die etwas entnervt wirkende Bedienung dreht nicht sofort ab und eilt von dannen, sondern ist sichtlich  froh darüber, endlich wen gefunden zu haben, mit dem sie über den Frust reden kann, den man als Servierkraft nie zu offen zeigen darf.         Die nächste Ausgabe erscheint       im SEPTEMBER 2018
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HEFT 2/2018
Erscheinungstermin: 28. Mai 2018