NOVEMBER 2017
Neues Heft
Öffnet die Herzen und - die Geldbörsen! Also, die Pipifax-Meldungen der letzen Zeit haben wir ja rasch durch: Siemens will weltweit fast 7.000 Mitarbeiter entlassen, der Klimagipfel ist ohne nennenswerte Vorkommnisse und Ergebnisse zu Ende gegangen, im Libanon bahnt sich neuerdings Ungemach an, weil die Herren Muslime aus Saudi-Arabien und dem Iran nicht eines Sinnes sind (als ob wir das nicht schon längst wüssten) und dass aus den jüngst aufgetauchten Paradise-Papers nun 63 Spuren bis nach Österreich führen war auch klar. (Schon 1848 schrieb der deutsche Dichter Friedrich Hebbel: „Dies Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.“). Aber die wirklichen Info- Hämmer finden abseits der Medienschlagzeilen statt. Weihnachten steht praktisch schon vor der Tür. Adventmärkte drohen in allen Variationen. Auf die Punsch-Plätze, fertig, los,... Wer hat das unmöglichste Graffel mit Silberflitter? Die Geschenk-Ideen werden überbordend. Es ist nichts zu blöd, als dass es nicht in diesen Tagen als Geschenk herhalten könnte. Da wäre einmal der „Clocky“, ein Wecker auf Rädern, der nach mehrmaligem Drücken der „Sleeper“-Taste davonrollt und beim nächsten Läuten erst gesucht werden muss. Putenrennen Wolfgang wollte mich in die Disco abholen. Das klang wie eine Drohung. Einer Disco konnte ich nichts Positives abgewinnen, auch nicht zur größten Sturm- und Drangzeit. Mir hatte die Musik nie sehr behagt, sie lief meinem Geschmack zuwider. Was sollte ich dort, jetzt, im Alter von Ü60? Mit überreifen Frauen, auf ein verzweifeltes Abenteuer aus? Mein Neffe be­zeichnete dies als Mumienschieben. In einer Disco war ich fehl am Platz, wie ein Steckerleis in der Hochzeitsnacht unter der Bettdecke. Ein Oldieabend sprach mich schon an, mit rockigen Songs und ohne schnulzige Weichspüler, ohne den Schrott, der Teenies begeisterte. Nicht zu vergessen Frauen. In der Disco traten sie gehäuft in allen Altersklassen auf. Es war einfach, einen Hingucker anzubaggern, wenn er angetrunken war, herausgeputzt, körperliche Defizite geschickt kaschiert, hoffend, jemanden nicht nur zum Tanzen kennenzulernen. Man lernte rasierklingenscharfe Vertreterinnen kennen, zum Generalangriff gerüstet, ohne nach Namen zu fragen. Auch unter Alkoholeinfluss möglich. Betrachtete ich diese Aspekte, kam ich nicht umhin, mit gebotenem Ernst eine Disco aufzusuchen. Eine herbe Enttäuschung In unserer, von Eindrücken gesättigten Welt kommt es leider selten vor, dass einem etwas vorübergehend den Atem nimmt oder die Sinne umnebelt. Ahnungslos wippt Frau so zwischen den einladenden Geschäften mit den Hüften dahin und betrachtet sich auch hin und wieder wohlgefällig in den spiegelnden Auslagenscheiben, als ihr Schritt plötzlich stockt und sie fasziniert in die Auslage der Buchhandlung starrt. Ja ist das denn möglich! Er steht auf einem kleinen Sockel, umgeben von vielen völlig belanglosen Büchern und das Licht fällt voll auf ihn. Wenn Sie nun vermuten, es handelt sich um den neuesten Bestseller von Elfriede Jellinek, oder eine Neuauflage von Goethes Faust, so irren Sie! Nein, es ist ein Prachtexemplar von einem Buchhändler, wie er halt so im Buche steht. Fake News und / oder Fake Music? Selten wurde ein Begriff derart häufig strapaziert, wie der oben genannte und das ist beileibe kein Zufall. Wir leben längst in einer Zeitepoche, wo Nachrichten und Informationen aller Art, in einem noch nie dagewesenen Umfang, über die mittlerweile meist total vernetzte Menschheit hereinbrechen. Wir brauchen da gar nicht erst über den großen Teich zu schielen, auch auf unserem alten Kontinent, genannt Europa, schwirren Unmengen an Nachrichten herum, wobei oftmals selbst Fachleute oder „Insider“ Falschnachrichten oder Zeitungsenten auf den Leim gehen. Das längst bei uns angekommene digitale Zeitalter macht es möglich. Auf eine einzige auch noch so kurze Nachricht, die ein „unvorsichtiger Sack“ von sich gibt (heißt in diesen Tagen gepostet), folgt oftmals eine wahre Lawine an Antworten. Falls diese überwiegend positiv oder zustimmend ausfallen, kann man sich schon glücklich schätzen. Anderenfalls kann das ziemlich unschön ausgehen, wenn sich ein ausgewachsener „Shit Storm“ über einen womöglich relativ unbedarften Absender von derartigen Nachrichten ergießt. Wie schon im Titel angeführt, richte ich mein Auge, oder besser beide, auf die sogenannte „Fake Music“! Was meint er denn damit, dieser mittlerweile schon etwas angegraute Sack? Traktat zur dystopischen Entwicklung biologischer Geschlechterbegegnungen oder: Liebe dich selbst! Freunde, seit langem plagt uns das unerfüllte Sehnen danach, endlich zu wissen ob und was ein „Zwitter“ ist. Schon als Bub studierte ich interessiert die Wachs-Exponate in Präuschers Panoptikum im Wiener Wurstelprater, bis mich meine Großmutter von den Glasvitrinen wegzerrte. Man wusste ja, dass es immer wieder Menschen gab, die hermaphroditisch geboren wurden. Das war kein Thema allgemeiner Auseinandersetzung, es sei denn der oder die wäre ein Kind prominenter Eltern oder Ähnliches gewesen. Gelegentlich sickerten Gerüchte durch, dass der oder die nicht eindeutig „der“ oder „die“ sei. Heutige Generationen, die ja offenbar schon mit Logorrhoe („Sprechdurchfall“) geboren werden, können und müssen über alles sprechen, und für Dinge, die sie nicht kennen, müssen sie neue Begriffe erfinden, um darüber sich dann schnatternd, meist digital, (eher weniger analog) mit Freunden und manchmal mit Menschen, die man wirklich kennt, auszutauschen. Dem Himmel sei Dank, dass wir jetzt wissen, dass es ein „drittes“ Geschlecht gibt, zur Freude aller Pansexuellen unter uns. Sexuelle Freude muss nun nicht mehr 50:50 geteilt werden, das Menü hat nun mindestens drei Gänge. Und es eröffnet sich die Möglichkeit, dass sich endlich jene Menschen auch „outen“ können, die bisher die Kriterien von Hetero oder Homo nicht erfüllen konnten. Bei mir entsteht oft der Eindruck eines reziproken Voyeurismus, wenn auch Veganer mit glänzenden Augen sich einer Umwelt eröffnen müssen, die auf derartige Informationen kaum Wert legt. Wie dem auch sei ... Frauenquote Und wieder einmal sind die Gazetten voll mit der regelmäßig auftauchenden Forderung nach Quoten für die Anteile von Frauen in der Gesellschaft, besonders in Führungspositionen. Sind die Männer plötzlich müde geworden, oder ist es ihnen zu fade am Olymp? Wir Frauen haben das immer gewusst, nur die Männer wollten das nicht wahrhaben! Wir Frauen sind in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert! In verschiedenen Bereichen haben wir ja 100% erreicht, z.B. beim Kinder kriegen und stillen, oder als Beiwerk in den Autosalons, auf der Kühlerhaube sitzend. Da gab es also noch nie einen Mann, der seine Beine übereinander schlug und mit Strapsen glänzte. Wir schon! Aber in den höheren Etagen sind wir dünn gesät, da werden lieber Männer genommen, die nie schwanger werden können (noch nicht), oder vielleicht einmal zu Hause bleiben wollen, wenn die Kinder krank sind. Wo kämen wir denn da hin! Der Lückenbüßer: Wer wagt, gewinnt! Etwas unheimlich war sie ihr schon, diese riesige Latte, die fast drohend über ihr ragte. Sie hatte Zweifel, ob sie mit ihren zwei flinken Händen da überhaupt zurechtkam. Und ob ihr da nicht viel zu schnell die Puste ausging, wenn ihr die Bälle so um die Nase hüpften. "Nun, was soll’s", sagte sie sich. Schließlich hatte sie ihren Ruf als Spitzenfrau in dieser Sparte zu verteidigen. Sie würde schon eine Show abziehen. Sie musste eben alles herausholen, was herauszuholen war. Aber ganz in ihrem Inneren war sie mit der Entscheidung nicht so recht glücklich darüber, dass der Trainer der Damenfußballmannschaft gerade sie ins Tor gestellt hatte. Stichsäge - preiswert! Am Samstag wird eingekauft. Nach dem Frühstück fährt K. ins neue, stadtperipher-grünwiesig hingekleckste Warencenter. Unterwegs wirft er einen Blick nach oben. Heftiger Herbstwind reißt die Wolken in Fetzen. Der Himmel darüber ist heute nicht hellblau, sondern tiefdunkel. Schnell hat er den Einkaufszettel seiner Frau abgearbeitet. Er lädt Lebensmittel, Rasiercreme, Klopapier ins Auto, holt sich am Stand vorm Markt ein Fischbrötchen, beißt lustlos hinein. Dann betritt er den Baumarkt. Es ist ruhig in der Halle. Die Kunden laufen langsam durch die Regalreihen, bleiben hie und da stehen, lesen die Hinweise auf Sonderangebote. Kaum einer spricht. K. paßt sich der vorherrschenden Unaufgeregtheit an. Er sucht nichts Bestimmtes. Hin und wieder, weiß er, gibts einen Artikel im Angebot, dessen Kauf lohnt. Vor einem Tisch voll der unterschiedlichsten Werkzeugmaschinen bleibt K. stehen. Ein kleines, handgeschriebenes Schild ist gegen eine Stichsäge gelehnt. K. liest: „Vollelektronisches Modell, Präzisionsbauweise, mit Doppelpack Sägeblätter. Nur 7,99  “. Zu guter Letzt! Demokratiediskurs im Café Das Bekannter Weise zählt zum demokratischen Verständnis auch das Widersprechen. „Ich habe das unlängst nach einer öffentlichen Rede unseres noch jungen Bürgermeisters gewagt“, erzählt mir Otto bei unserem Café- Treffen. Seitdem werde er von der lokalen Politik-Größe nicht mehr ge­grüßt Doch das treffe ihn nun keineswegs schwer, meint Otto. „Ich werde eben gleichfalls auf das bisher übliche Grüß Gott verzichten“, sagt er un­aufgeregt. Seine Äußerung weckt die Aufmerksamkeit einiger der anderen Café - Besucher mit unzweifelhaft gutem Gehör. Ein Gast mit respektablem Bauchumfang und geradezu vor Mitteilungslust strotzender Miene nähert sich, einen großen Bierkrug umklammernd, unserem Tisch und nimmt unaufgefordert Platz. Otto blickt etwas irritiert auf und bleibt stumm. Da poltert der uns beiden völlig unbekannte Mann mittleren Alters auch schon los. „Bei uns verhält sich der Bürgermeister wie ein absolutistischer Fürst".         Die nächste Ausgabe erscheint       im FEBRUAR 2018
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HEFT 4/2017
Erscheinungstermin: 28. November 2017