NOVEMBER 2017
Neues Heft
Mir san mir! „Alle Menschen san ma zwieder, i möchts in die Goschen haun“, (be)sang der leider zu früh vergessene Kurt Sowinetz eine gelegentlich verständliche Gemütsaufwallung. An ihn musste ich dieser Tage immer öfter denken. Genieße ich doch täglich mehrere sogenannte Informationssendungen der verschiedensten deutschsprachigen Stationen, Nachrichten genannt. Die heiligen Schwüre einer solidarischen Europäischen Gemeinschaft wurden noch nie so oft beschworen – um an mäßiger Anteilnahme zu verhallen. Das „Friedensprojekt Europa“ ist in die Jahre gekommen. Und die Rezepte dagegen sind auch schon über 2000 Jahre alt. Aber Angela Merkel, die heimliche Kanzlerin Europas, die sich Brüssel als Hofstaat hält, hat vor knapp zwei Wochen in eben jenem Brüsseler Parlament eine (quasi) Abschiedsrede gehalten. Mit einem schüchternen Anflug von Ambition vermeinte die „Muddi“, dass Europa eine echte gemeinsame Armee benötige, um Europa unabhängiger zu machen und (jetzt kommts!) damit die Völker Europas nie wieder gegeneinander Krieg führen. Dieses Rezept hat (allerdings emotionaler) schon Marcus Tullius Cicero im Jänner 43 v. Chr.  vor dem römischen Senat in seiner berühmten „Philippica“ verlautbart. Lückenbüßer (Seite 5):  Erinnerungslücken Ein amerikanischer Soldat, der in Afghanistan stationiert ist, erhielt neulich einen Brief von seiner Freundin aus der Heimat. Darin stand folgendes: "Lieber John, ich kann unsere Beziehung so leider nicht mehr weiterführen. Die Entfernung, die zwischen uns liegt, ist einfach zu groß. Ich muss auch zugeben, dass ich dich viermal betrogen habe, seit du weg bist und das Ganze ist für keinen von uns in Ordnung. Sorry. Bitte schick mir mein Foto zurück, welches ich dir gegeben habe. Gruß, Wendy". Der Soldat - sichtlich verletzt - ging sogleich zu seinen Kameraden und sammelte sämtliche Bilder, die sie entbehren konnten, ein. Von ihren Freundinnen, Schwestern, Cousinen, Ex-Freundinnen, Tanten ... Zusammen mit dem Bild von Wendy steckte er all die Fotos von den hübschen Frauen in einen Umschlag. Der gute Wille zählt! „Sag mal, wo kommst du denn auf einmal her? Du warst ja eine Ewigkeit fort! Es kann doch nicht so schwierig sein, den Weihnachtsmann für zwei Kinder zu spielen! Was hast du so lange gemacht bei dem Sauwetter? Sag aber nicht, du hast dich verfahren, das nehme ich dir nicht ab!“ „Ich sage dir, Claudia, nie wieder spiele ich für jemanden den Weihnachtsmann, auch nicht für viel Geld! Ich habe die Schnauze voll, bis zur Oberkante der Unterlippe. Ich brauche einen Glühwein zum Aufwärmen, dann erzähle ich dir, was passiert ist. Ich sage dir, du wirst es nicht glauben wollen.“ „Das wird so eine Geschichte sein. Bei Ausreden warst du immer gut. Warum stehst du so krumm? Hast du einen Hexenschuss? Oder hat man dir so viele Geschenke in den Sack gepackt, dass es dir beim Herausholen ins Kreuz gefahren ist?“ „Wenn es nur das gewesen wäre. Die Sache war viel schlimmer. Wenn ich es recht bedenke, war ich ein Depp, dass ich mich habe drauf eingelassen. Claudia, ich sage dir, wenn ich den erwische, der das Brimborium um Weihnachten erfunden hat, dem hänge ich das Kreuz aus und gebe ihm den Sack zu essen, dass er dran erstickt.“ Designertaschen oder Shopping-Bag? Eine Frau ohne Handtasche ist wie eine Wiese ohne Gänseblümchen. Zugegeben, bei manchen Preisen für diese Notwendigkeit, fällt es uns schwer an Gänseblümchen zu denken, da muss man eher an Buschwindröschen, Königskerzen oder Malven denken. Verschiedene Designertaschen allerdings sind so weit weg von Gut und Böse, dass es billiger ist eine Luxuslimousine anzuschaffen, als ein solches Accessoire. Nur wenige Männer haben da ein Verständnis dafür, dass die Kreditkarte glühen muss, wenn so ein Dior-Kleinod oder eine Vuitton-Bag über den Ladentisch kommt. Auch Valentino steht da nicht nach, und nicht vergessen Rebell! Daher ist es vielleicht besser, man geht alleine auf Shopping und nimmt anstelle des ganzen Mannes, nur seine Scheckkarte mit. Von bescheidenen paar Hunderten für gewöhnliche Shopping-Bags, kann da der Preis für diese Schmuckstücke schon bis zu 70.000.- Euronen gehen. Kroko versteht sich und man lässt sich gerne einreden, dass sie gezüchtet sind, oder vielleicht sogar Selbstmord begangen haben. Halloween – eine Unsitte oder doch mehr? Vor rund einem Monat, also am Mittwoch, dem 31. Oktober, ist es mir erspart geblieben. Aufgrund meiner  Abwesenheit kam ich heuer  nicht in den Genuss, die an diesem Tag eigentlich übliche Aufforderung: „Süßes, sonst gibt’s Saures“ entgegenzunehmen! Glücklicherweise wur­de mir auch kein („milder“) Streich gespielt. Weder die Eingangstüre noch der Boden davor wurde mit irgendwelchen fraglichen Substanzen verziert bzw. angereichert. Das war nicht immer so. An diesem Tag bzw. eigentlich eher in der Nacht, werden unsere Gesetzeshüter jedes Jahr ziemlich auf Trab gehalten. Abgesehen von den schon erwähnten eher harmloseren Streichen oder Dummheiten, artet es naturgemäß auch des Öfteren in mehr oder weniger gelinden Sachbeschädigungen aus. Überflüssig zu erwähnen, dass es auch immer wieder zu „Beschädigungen“ an mensch­lichen Wesen kommt, die dann dafür sorgen, dass auch unseren im Gesundheitsbereich tätigen ärztlichen Personal nicht langweilig wird. Traktat über die kontumeliöse Interpretation des Begriffes „Kunst“ oder: Kunst ist, was keiner versteht! Freunde, ein neues Jahr droht! Ein Jahr, in dem – wie vordem – in jedem Dorf neben dem Maibaum eine gewundene oder kantige Figur aus verschiedensten Materialien als moderne Skulptur stehen muss. Ein Jahr, das auf Kulturfesten und Pfarr-Vernissagen Abstraktes, Buntes, Schleierhaftes präsentieren muss, um die Ankunft der jeweiligen Siedlung in der „Moderne“ zu dokumentieren. Schließlich darf und soll es auf allen Plätzen, die kleiner sind als der Salzburger Domplatz, überbordende Spiele, erkennbaren und unerkennbaren Inhalts geben. Sie sollen das Theater im Ablauf der Weltsekunden als Momentaufnahmen unwiederbringlicher Sprach- und Bühnengestaltung präsentieren. Diese Botschaft soll vor allem den Tourismusorganisationen zur lückenlosen Verbreitung ans Herz gelegt werden. Kunst. Eine Stellungnahme eines über Dreißigjährigen dazu ist in jedem Fall ein gesellschaftliches und politisches Wagnis. Ich beschränke mich hier besser auf meine Wahrnehmungen. Die beginnen in der Schulzeit der Sechzigerjahre. Kurz vor der Matura, nach Überwindung postpubertärer Pickel und der De­pressionen der philosophischen Krise suchte jeder sein Fleckchen zur persönlichen Wahrnehmung. Oberbewusst galt das dem Platz in der gesellschaftlichen Hackordnung, un­ter­bewusst der konkurrierenden Hackordnung auf der Suche nach dem Duft weiblicher Haut und mehr. Die Iden des März Regierende und an der Macht befindliche Menschen hatten es immer schon schwer! Sie wissen nie, wer hinter dem nächsten Mauervorsprung lauert, wer den Dolch im Gewande trägt und sich, Böses im Sinn, nähert! Natürlich haben sich die Zeiten geändert und mancher Dolch ist eigentlich ein Fake-News oder irgendeine Dreckschleuder, die durch die Luft schießt, durch alle Gazetten geistert und dann mit einem Knalleffekt im Rücken des Zieles landet! Dies gilt natürlich vor allem für Menschen die in der Öffentlichkeit stehen, VIP´s sozusagen. Man weiß auch nie, wer Feind oder Freund ist, wer nun den Dolch gerade umklammert. Ja, man muss eigentlich aufpassen, dass man selbst nicht zum Brutus mutiert und es einem selbst trifft, bevor man von sich aus aktiv werden kann. Natürlich haben sich auch die Zeiten geändert und der Schierlingsbecher ist größtenteils von den Tafeln der Bankette verschwunden. Das liegt natürlich auch Großteils daran, dass man die Leiche nicht vor aller Augen abtransportieren und in den Burggraben werfen kann. Außerdem muss man in Zeiten wie diesen auch sensibler mit solchen Vorhaben vorgehen. Seit es DNA-Analysen und Spurensicherungen gibt, wird es immer schwerer solche Ereignisse zu verschleiern. Und das Personal ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Sie schreiben heute Memoiren oder gehen zu Klatschmagazinen und plaudern alles aus. Ist Hypochondrie ansteckend? Der jüngst einberufene Kongress zum Thema „Hypochondrie: Wie kann man sich vor Ansteckung schützen?”, hat die Beantwortung der ernstesten Frage dieses Jahrhunderts weiterhin offen gelassen. Aufgrund plötzlicher schwerer Erkrankung sämtlicher gemeldeter Teilnehmer musste das Symposium auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Alle schrieben mit zittriger Schrift an den ebenfalls erkrankten Veranstalter, dass wohl so bald nicht mehr mit ihnen gerechnet werden könne. Mein Freund Jürgen, beispielsweise, war neulich auch wieder einmal äußerst angeschlagen vor der längeren Autofahrt. Ich fand zwar, dass er aussah wie immer, aber er bestand aus glasigen Augen und einem bleichen Gesicht, was auch auf die Bierchen zurückgeführt werden könnte, die wir am Abend zuvor gemeinsam gekippt hatten. Jürgen musste in seinem Zustand dennoch fahren, denn wie soll man sich schließlich sonst von seinem Siechtum ablenken? Zu guter Letzt! Morgen ist auch noch ein Tag Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Eine Ermahnung, die mir seit meiner Jugend bekannt ist. Auch „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“, ist so ein Sprichwort. Dagegen stehen die Redewendungen „Eile mit Weile“ oder „Manches erledigt sich ohnehin von selbst“. Das Aufschieben von Tätigkeiten ist weit verbreitet und wird gerne als Marotte abgetan. Die wenigsten, von „Aufschieberitis“ befallenen Zeitgenossen wissen jedoch, dass es sich um eine massive Störung der Selbststeuerungstätigkeit handeln kann. Behaupten jedenfalls Wissenschafter. Und sie haben für diese Störung auch ein Fachwort: Prokrastination. „Wir sprechen von einem notorischen Aufschieben, sobald man selber darunter leidet. Es stellt sich eine depressive Stimmung ein. Die Beziehung zwischen Ehepartnern, Vorgesetzten oder Kollegen kann gestört sein“, erklärt ein Psychologieprofessor in seiner umfangreichen Studie. Auf Dauer könnten Betroffene nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden. Das Unbehagen über die immer noch ausständige Steuererklärung (wer weiß, was mir das Finanzamt diesmal aufbrummt) - oder den hinausgezögerten jährlich empfohlenen Zahnarztbesuch  (sicher muss wieder einmal gebohrt werden), werde zum ständigen Begleiter.       Die nächste Ausgabe erscheint       im FEBRUAR 2019
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HEFT 4/2018
Erscheinungstermin: 26. November 2018